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Lissabon – Die Stadt des Lichts

Bergettapen inklusive

Lissabon Es sind die Menschen, die für uns aus einer Stadt am Fluss Tejo in Portugal das liebenswerte und urbane Lisboa erschaffen. Überall freundliche und lachende Gesichter, tanzende Menschen und viel Sonnenschein haben unseren Kurztrip im Juli jeden Tag begleitet.

Lissabon stand schon lange auf der Liste der Städte, die wir unbedingt sehen wollten. Inspiriert von Tamina Kallert und ihrer „300 für 2“-Sendung haben wir uns eine kleine süße Dachgeschosswohnung mitten in der Altstadt gemietet, welche unser zentraler Punkt für die kommenden Wandereinheiten werden sollte. Eins vorweg: In keinem Reisemagazin habe ich gelesen, dass ein Höhentrainingslager hilfreich für die Erkundung Lissabons ist. Das sollte aber unbedingt in die Literatur aufgenommen werden. Es gibt keine Straße die nicht mindestens gefühlt 10-15% Steigung oder Gefälle aufweist. Nur die wenigen Flaniermeilen am Fluss lassen sich gut laufen. Ansonsten gilt. Flip-Flops und Stöckelschuhe können zu Hause bleiben und festes Schuhwerk muss in den Koffer.

Am Samstag angekommen, empfing uns die Altstadt direkt mit einer Variante des Kölner CSD. Laut, bunt und absolut liebenswert. Mit Sicherheit kleiner als der Kölner CSD, doch nicht weniger stimmungsvoll. Der CSD wurde begleitet von unzähligen Festen in der Altstadt, dem sogenannten „Festival de Lisboa“, so dass bis spät in die Nacht gefeiert, getanzt und gesungen wurde. Die steilen Rampen der Viertel waren die Bühne für lokale Sänger, die ihr Publikum fest im Griff hatten. Für den ersten Tag war das bereits ein Lissabon-Flash, der die nächsten Tage noch positiv nachhalte.

Essen – Ihr werdet auch einige Bilder sehen, die z.B. unser Frühstück oder Abendessen zeigen. Solltet ihr denken, dass wir nur gesessen haben, so denkt ihr richtig. Lissabon ist ein riesiges Restaurant mit einer großartigen Vielfalt. Von Vegan bis zu den klassischen Fischrestaurants ist für jeden etwas dabei. Auf jedenfall ist es wichtig, sich in seinen Wunschlokalen einen Platz zu reservieren, denn oftmals sind die kleinen Lokale schnell voll und ohne eine Reservierung geht ihr mit leerem Magen weiter. In Lissabon gibt es viele Möglichkeiten den Tag mit einem langen Frühstück zu starten. Die kleinen Lokale sind mit viel Liebe eingerichtet und das Essen ist fantastisch. Obst-Bowls oder Avocado-Brote in allen Variationen gibt es zum Beispiel bei Flora & Fauna oder im Café Janis. Saulecker und reichhaltig.

Für die bekannte Nationalspeise, die Pastéis de Belem, sind wir natürlich auch nach Belem gefahren. Hier soll es die besten Törtchen geben. OK. Wir würden sagen, hier gibt es ziemlich gute Pastéis de Nata. Aber nicht die Besten. Geschmacklich unübertroffen fanden wir die Konditorei unterhalt des Castelo de S. Jorge. Unser Tipp: Spart Euch die lange Schlange in Belem und geht ins Pastry Santo Antonio (R. Milagre de Santo António 10, 1100-351 Lisboa, Portugal) unterhalb der Burg.

Am Abend hat Lissabon Restaurants für alle Geschmäcker und Preislagen. Zwei Lokale möchte ich Euch für die vegetarische und vegane Alternative empfehlen. Das israelische Restaurant Tantura ist klein und die Plätze sind begrenzt. Aber das Essen ist fantastisch. Hier bekommt ihr z.B. auch Hühnchen, aber auch ein breites Angebot an vegetarischen Gerichten und natürlich Humus und Fallafel. Komplett vegan ist das Buffet-Restaurant DaTerra. Auch hier gibt es von uns 5 Sterne. Klasse! Alles frisch und ideenreich gestaltet. Die klassischen Mozzarella-Tomaten-Spieße werden z.B. in Rosenkohl-Tomaten-Spieße variiert und mit einer Pesto bestrichen. Ist eine Platte erstmal leer, wird eine neue Geschmacksrichtungen nachgereicht. Einfach lecker.

Bevor es gleich zu den eigentlichen Sehenswürdigkeiten kommt, hier ein kleiner Geheimtipp. Im Stadtteil Alfama hat die Fotografin Camilla Watson die Bewohner des Viertels fotografiert und als Wandbilder in die engen Gassen gehangen. Die Künstlerin gibt den Menschen so einen ewigen Platz in ihrem Herzen und in den Straßen von Alfama.

Die Sehenswürdigkeiten haben wir uns zwischen dem Mahlzeiten übrigens auch angeschaut. Die erste Attraktion ist Lissabon selber. Die Stadt selber ist echt nicht wirklich schön. Doch gebaut auf 7 Hügeln, gefühlt 700, ist sie von einem Charme und einer Aura erfüllt, der die runtergekommenen Häuser, abbruchreifen Balkone und schief hängenden Rollläden komplett übersehen lässt. Hübsche Ladenlokale, Bistros, übergroße Street-Arts und charmante Cafe´s an allen Ecken lenken den Blick weg von Stromleitungen, runterfallendem Putz und aufgehangener Wäsche.

Wer die Stadt im Schnelldurchlauf einmal sehen möchte, setzt sich in die historische Linie 28 und fährt einmal durch die gesamte Altstadt. Knapp an Häuserwänden und Verkehrsschildern vorbei, empfiehlt es sich sehr, nichts sehr weit aus dem Fenster zu halten. Es wäre wohl nicht das erste Handy oder die erste Videokamera, die einem aus der Hand gefallen wäre. Einmal gegen ein Verkehrsschild und schwups liegt es auf der Straße. Als weiteren Tipp können wir sehr empfehlen, nicht an dem offiziellen Linienstart einzusteigen, sondern die nächste Station zu nehmen. Am Streckenbeginn könnt ihr in einer langen Schlange erst einmal mehrere Bahnen warten, ehe ihr selber einsteigen könnt. Wenn alle Sitzplätze erreicht sind, schließt der Fahrer den Einstieg. An der nächsten Station können dann aber weitere Passagiere einsteigen und die Fahrt geht weiter. Das erspart Euch mit Sicherheit 30-60 Minuten Wartezeit.

Weiterhin haben wir uns natürlich die Klassiker angeschaut. Die gut erhaltene Burg Castelo de São Jorge mit ihrer Camera Obscura, das gotische Kloster Mosteiro dos Jerónimos, den großen Platz Praça do Comércio und den Turm Torre de Belém und vieles mehr. Aber wirklich umgehauen hat uns LX Factory unter der Brücke des 25. April. Die frühere Fabrik im Stadtteil Alcântara wurde in ein Künstlerviertel und Hotspot für StartUps verwandelt. Hippe Agenturen, Modeläden, Schmuckhersteller, Barbiere und Restaurants schmücken das ehemalige Fabrikgelände. Das Highlight jedoch ist die Buchhandlung in einer ehemaligen Druckerei. Gut zu erkennen an der noch in der Buchhandlung stehenden Druckmaschine. Hier steht ein zauberhafter alter Mann und wartet auf neugierige Besucher. Es ist fast wie im Auenland und der alte Magier erzählt von seinen elektrischen Maschinen, die er selber gebaut hat. Die Zeitmaschine, die Musikmaschine welche einen Fado spielt, den aus alten Metallresten gebauten Insekten und letztendlich der Geldspeichermaschine, denn so ganz ohne Lohn kann man ja auch nicht auskommen. Und für den netten Herrn gibt man es wirklich gerne. Die LX Factory und die Bücherei sind für uns das Highlight der Reise. Das solltet ihr auf jeden Fall in Eurer Reiseplanung berücksichtigen.

Lissabon

Und wie lässt man eine solche Reise am besten ausklingen? Natürlich am schönsten Platz für Sonnenuntergänge in ganz Lissabon. Dazu muss man mit dem der Fähre auf die andere Seite des Flusses fahren und sich in das Restaurant Ponto Final setzen. Wer dort Fisch und Meeresfrüchte essen möchte, sollte vorher definitiv reservieren. Sonst gibt es keinen Platz an den vorderen Tischen, die einen traumhaften Ausblick über Lissabon im Sonnenuntergang schenken. Eine weitere Möglichkeit ist das Lokal links daneben. Das ist keine 50 Meter weiter, ebenso schön gelegen, doch viel weniger bekannt und einen Tisch bekommt man hier eher.


Unser Fazit:
Lissabon ist eine Reise wert und eine absolute Empfehlung. Nutzt die Nebensaison, genießt die Menschen und die Musik und schaut Euch die LX Factory an und gebt dem alten Mann an der Druckmaschine ein üppiges Trinkgeld, er alleine ist die Reise in die LX Factory wert.

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