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Israel – Ein Sehnsuchtsland

Tel Aviv und Jerusalem

Israel – Ein Land, dass schon länger auf meinem Wunschzettel stand. Immer wieder habe ich es aufgeschoben und letztendlich ist es dem Erftstädter (Hobby)koch Tom Franz zu verdanken, dass ich im Dezember 2018 meinen Trip nach Tel Aviv, Gastgeber des ESC 2019, gebucht habe. Seine Reportage „The Taste of Israel“ hat mich derart begeistert, dass ich umgehend einen Flug und die Unterkunft gebucht habe.

Mit der Germania ab Düsseldorf sind es rund 5,5 Stunden bis der Flieger auf dem Ben Gurion Flughafen aufsetzt. Bereits beim Einchecken in Düsseldorf fällt deutlich auf, dass die Kontrollen hier absolut keine humorige Note haben und ganz genau geschaut wird, wer nach Israel einreist. Am Zielflughafen werden die Kontrollschrauben noch etwas angezogen. Ein unwohles Gefühl? Merkwürdigerweise habe ich das gar nicht. Im Gegenteil. Ich empfinde es sogar ein Stückweit als angenehm. Unaufgeregt sind diese Kontrollen. Keiner ist genervt. Jeder scheint das zu kennen und es vermittelt mir Sicherheit. OK – Hier passiert nichts!

Vom Flughafen kann man sehr gut mit dem Zug nach Tel Aviv reisen. Die Kosten dafür liegen bei 13.50 Schekel, das sind umgerechnet 3.30 Euro. Eine letzte Scan-Kontrolle bevor ich aus dem Bahnhof komme und nun stehe ich mitten in der City. Orient? Irgendwie keine Spur davon. Ich bin in einer modernen Großstadt mit sehr jungem und auffallend attraktiven Menschen. Auf Google-Maps wird mein Airbnb eingegeben und los geht es zu Fuß in die Nakhali’el Street nach Tel Aviv-Yafo.

Mein Gastgeber Shai hat mir pünktlich den Code für die Eingangstür gesendet und nach 30 Minuten erreiche ich die Pension und finde alles perfekt vor.
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Kurz die kalten Deutschlandklamotten gegen ein frisches T-Shirt getauscht und noch schnell zum Meer, die letzten Sonnenstrahlen geniessen. Das mache ich und gefühlt auch halb Tel Aviv. An der Strandpromenade ist der Teufel los. Ein Hochzeitsfotograf aus Tel Aviv bringt seinen Profoto-Blitz im Gegenlicht an seine Grenzen, Jogger in Hülle und Fülle, Paare Hand in Hand auf der Flaniermeile und überall diese Roller. Krass welche Geschwindigkeit die erreichen und noch krasser: Die Geschwindigkeit wird nicht gedrosselt. Nie! Also die nächsten Tage unbedingt die Roller mit Tempo 50+ im Auge behalten.

Tel Aviv im Orient? Eigentlich nicht. Ich empfinde es gar nicht so. Eher sieht es aus, als wenn die schönsten Viertel aus Köln einmal hochgeschmissen wurden und alle in Tel Aviv gelandet sind. Wunderschöne Straßencafés, Flaniermeilen, tolle Restaurants mit der höchsten veganen Dichte weltweit. Arabische Viertel, moderne Viertel, Bankenviertel, Hipsterviertel und auch die Industrie-Graffiti-Viertel dürfen nicht fehlen. Erst die hebräischen Texte zeigen mir deutlich, Du bist nicht mal eben ums Eck gefahren. Doch in Tel Aviv sprechen alle Englisch (nebenbei gesagt auch alle besser als ich) und helfen Dir wo es nur geht. Es ist dabei egal, ob Du einen Araber, Juden oder Christen fragst. Tel Aviv habe ich aufgeschlossen, freundlich und entspannt erlebt.

Alles wirklich chillig? Was ist mit der Gefahr von der man so oft hört? Ganz ehrlich. In Tel Aviv hatte ich nicht eine Sekunde ein ungutes Gefühl. Vielleicht tragen auch die wirklich vielen Soldaten und Soldatinnen dazu bei, dass ich ein sehr beschütztes Gefühl hatte. Auch spät am Abend in der Dunkelheit macht das Spazieren in den Gassen keine Angst. Auf den großen Hauptstraßen erst recht nicht. Die sind auch zu später Stunde so belebt, dass ich sehr entspannt die Menschen beobachten kann. Teilweise tanzend auf den Straßen, gut gelaunt im Plausch mit Freunden oder wartend auf die lange Partynacht.

In der folgenden Galerie seht Ihr meine Impressionen aus Tel Aviv und Jerusalem (nach den Bildern nicht ausschalten, unter den Bildern geht der Text weiter).

Tel Aviv

Neben Tel Aviv, mit seinem wunderschönen 14 KM Strand und seinen vielen sportverrückten Einwohnern, ist Jerusalem die zweite große Stadt, welche ich mir nicht entgehen lassen möchte. Leider habe ich mir nur einen Tag dafür Zeit genommen. Rückwirkend natürlich totaler Quatsch. Ich hätte besser 4-5 Tage eingeplant und in Jerusalem übernachtet. Alleine für die Altstadt benötigt man wahrscheinlich 2- 3 Tage um einmal überall gewesen zu sein. Nun hatte ich aber nur einen Tag und bin früh morgens mit dem Linienbus die rund 70 Kilometer nach Jerusalem gefahren. Auch diese Fahrt war extrem günstig (ca. 5 Euro).

Jerusalem, die heilige Stadt. Schon bei der Anfahrt konnte man den Unterschied zu Tel Aviv erahnen. Hier lebt eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte. Ich betrete die Altstadt von Jerusalem durch das Damaskus-Tor und somit direkt in das muslimische Viertel. Ein Gewirr aus Gassen und Gässchen. Nach 10 Minuten habe ich bereits die Orientierung verloren und bin happy als ich den Hinweiß zur Western-Wall, der Klagemauer, entdecke. Erneut erwartet mich eine Kontrollschleuse, was mich aber wiederum nicht stört. Ein paar Treppen noch und nun stehe ich auf dem großen Platz der Klagemauer. Die Kippa, die jüdische Kopfbedeckung, liegt für alle Besucher zur freien Verfügung in einem großen Korb und natürlich wird diese auch von mir getragen. Minutenlang versuche ich aus dem Gewirr von Gläubigen, Touristen, Soldaten und Anwohnern klug zu werden und Ordnung darin zu finden. Ich schaffe es nicht und setze mich erst einmal etwas abseits und schaue mir alles an. Singende und betende Gläubige beherrschen den getrennten Platz. Der große Anteil der Mauer ist den Männern zugeteilt. Rechts davon liegt hinter einer Absperrung der deutlich kleine Bereich für die Frauen. Ich bin fasziniert von der Situation vor der Mauer. Alle stecken kleine Zettel in die Mauerritzen und man merkt ganz deutlich, wieviel diese Mauer hier den Gläubigen bedeutet.

Da meine Zeit begrenzt war und ich definitiv nach Yad Vashem wollte, musste ich mich noch für eine Sehenswürdigkeit entscheiden. Kurz überlegt und nach Rücksprache mit einem Münchner Paar, dass 2 Stunden für den Einlass in die Geburtskiche angestanden hat, fiel die Wahl sofort auf den Felsendom auf dem Tempelberg. Hier ist es wichtig zu wissen, dass Christen und andere Religionen ihre Timeslots haben und nicht zu jeder Zeit dort hin können. Ich hatte glücklicherweise noch 45 Minuten bis zu meinem Slot und konnte noch eine Gruppe aus Australien fotografieren. Slomi, der Leader der Gruppe, hatte mich für die Aufnahme gefragt und nun ist die Gruppenaufnahme inzwischen via Picdrop in Australien runtergeladen. So einfach kann es sein, kleine Geschenke zu verteilen.

Der Felsendom ist gemeinsam mit der al Aqsa-Moschee und der Klagemauer das wichtigste Gebäude auf dem berühmten Tempelberg in Jerusalem. Es sieht alles sehr beeindruckend aus, doch schon nach kurzer Zeit ist unser Slot beendet und wir mussten den Platz für die nächste Gruppe freimachen.

Über die berühmte Via Dolorosa verlasse ich mit dem netten Paar aus München die Altstadt und wir fahren mit der Bahn nach Yad Vashem am Herzlberg. Es ist schwierig in Worte zu fassen, wie die Holocaust-Gedenkstädte auf mich und jeden einzelnen wirkt. Die Botschaft jedoch ist klar. Die Informationen in den einzelnen Räume sind mehrsprachig verfügbar und klar strukturiert. Für einen Besuch sollte man sich auf jeden Fall mindestens 2 Stunden oder mehr Zeit nehmen. Die Gedänkstätte mündet mit dem Ausgang ins das Außengelände. Was hat mich am meisten beeindruckt? Es ist eine sehr detaillierte, aufgeräumte Aufarbeitung und Dokumentation der schrecklichen Zeit. Ein Pflichtprogramm bei einem Besuch in Jerusalem. Auch sehenswert: Der Garten der Gerechten unter den Völkern im Außengelände. Das Beeindruckendste für mich aber war der Ausblick am Ende der Innenausstellung. Nach der erdrückenden Ausstellung in den Betonhallen geht man auf einen Aussichtspunkt zu, der einen über die Schönheit der bewaldeten Hänge Jerusalems schauen lässt. Mit dem Sonnenuntergang an diesem Tag sieht das ganze Bild aus wie die Hoffnung in die Zukunft. Ein atemberaubender und ergreifender Ausblick.

Jerusalem

Mit dem Abendbus ging es wieder nach Tel Aviv. Dort angekommen und hungrig wie ein Wolf ging ich zu einer der vielen und guten Humus-Buden in Tel-Aviv. Übrigens gibt es die beste Humus-Bude in Tel-Aviv im Arabischen Viertel Jaffa. Diese hat zwar meist schon um 14.00 Uhr geschlossen, da sie dann bereits leer gegessen ist. Den ganzen Vormittag über gibt es bereits lange Schlangen, um einen der begehrten ca. 25 Sitzplätze zu ergattern. Aber es lohnt sich. Achtung vor der Spicy-Sauce!!!
>>> Abu Hassan – Ha-Dolfin St 1, Tel Aviv-Yafo, Israel

Tel Aviv


Mein Fazit:
Tel Aviv ist ein tolles Ziel, welches man aber vielleicht besser im Frühling oder Herbst besuchen sollte. Im Dezember ist es zwar noch schön warm, doch leider hatte ich auch einige Regentage, die man zu anderer Jahreszeit umgehen kann. Tel Aviv macht seinen Beinamen Nonstop-City alle Ehre und ich habe noch so viel nicht gesehen, um hinter diese tolle City einen Haken zu machen.

Jerusalem habe ich leider nur im Schnelldurchlauf angetestet. Hier war der eine Ausflugstag absolut zu wenig. Unter 4-5 Tagen sollte man diese Stadt nicht besuchen. Es gibt zu viel zu entdecken und auch Jerusalem sieht mich bestimmt wieder.

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